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Via Hanseatica - von der Vision zur Wirklichkeit
Die Gäste des Baltic Talks waren sich einig: Der Erfolg der neuen
Hanse' ist nicht aufzuhalten, wenn Wissen vertrauensvoll ausge-tauscht
wird, die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße eng miteinander
verzahnt werden und die Ostseeanrainer anstelle von Kirchturm- Regionalpolitik
betreiben. Moderiert von Andrea Jedich (NDR Ostseereport) legten vier
hochqualifizierte Gäste ihre Positionen zu den Chancen der wirtschaftlichen
Entwicklung des Hanseraums dar:
Hans-Werner Blöcker, Geschäftsführender Gesellschafter
der Claus Alpen GmbH und Vorsitzender des Bauindustrieverbandes Schleswig-Holstein
e.V.
Dr. Andrzej Kremer, Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg
Dr. Bernd Rohwer, Minister für Wirtschaft, Technologie und
Verkehr des Landes Schleswig-Holstein
Prof. Henryk Wozniak, Stellvertretender Leiter der Abteilung für
Internationale Beziehungen im Marschallamt, Danzig.
Die Frage des Abends hieß: Wie wird der Ausbau der Via Hanseatica
entlang der baltischen Südküste die politische und wirtschaftliche
Zukunft beeinflussen. Björn Jacobsen, Leiter des Ostseekomitees der
Wirtschaftsjunioren Deutschland, stellte fest, dass die stärkste
wirtschaftliche Verbindung im Baltikum zwischen Polen und Deutschland
bestehe. Somit erscheine die geplante Investition in Fernstraßen
des transeuropäischen Netzwerkes mit einem Volumen von 100 Mrd. Euro
zwar hoch, aber konsequent.
H.W. Blöcker wies auf die wirtschaftliche Bedeutung des immensen
Bauvolumens der geplanten Autobahnen und der festen Fehmarnbeltquerung
hin. Eine unterstützende oder gänzliche Privatfinanzierung sei
unausweichlich. Der Staat allein schaffe es nicht.
Minister Rohwer entgegnete: Es müsse vom Lübecker Hafen her
gedacht werden, der allerdings nur in Verbindung mit einem modernen Logistikzentrum
wirklich erfolgreich werden könne. Wichtige Parameter seien auch
der Hafenausbau und die feste Fehmarnbeltquerung. Der Bau der A20 Richtung
Osten sei ebenfalls unverzichtbar, doch die mögliche Konkurrenz zum
Hafen sei zu bedenken.
Generalkonsul Kremer wollte die Via Hanseatica nur als Teil des gesamtwirtschaftlichen
Kontextes verstanden wissen. Der Ostseeraum sei eine Kooperation über
die und auf den Meeren. So pflichtete er auch Minister Rohwer bei: "Die
Häfen müssen leben!" Damit, dass Polen beim Ausbau der
Fernstraßen die Priorität auf die Verbindung Moskau-Warschau-Berlin-Paris
lege, enttäuschte er den einen oder anderen. Auch werde zuerst die
Strecke Danzig-Kaliningrad in Angriff genommen.
Prof. Wozniak stimmte dem zu. Straßen würden aus zwei Gründen
gebaut: Verkehrsintensität und/oder politischem Willen. Der stärkste
Verkehr fließe im mittleren und südlichen Polen in der Richtung
Wien-Posen-Warschau-Ukraine. Die Via Hanseatica sei also politisch gewollt.
Trotz oder wegen der rückläufigen Entwicklung in Nordpolen,
wo die Werftindustrie nicht anders kranke als in den Nachbarstaaten. Er
wolle den Norden Polens und das Baltikum durch die Stärkung der Häfen
fördern.
Einig waren sich alle, dass die Intensivierung des wirtschaftlichen Austausches
im Baltikum, im Zusammenhang mit der Osterweiterung der EU, zu stärkeren
Geld-, Waren- und Menschenströmen führen wird. Hier warnte der
Vertreter der Bauindustrie vor zu starken Lohngefällen. Schon zwischen
Ost- und Westdeutschland betrage die Differenz mehr als 100%: In Mecklenburg
würden sechs Euro pro Stunde, in Schleswig-Holstein 15 gezahlt. Arbeiter
aus Polen böten sich für nur elf Euro am Tag an. Diese Zustände
seien für Arbeiter und Unternehmer unfair. Blöckers Forderung:
gleiche Arbeit, gleicher Lohn.
Minister Rohwer gab zu bedenken, dass, wer den Hanseraum wolle, auch den
Wettbewerb akzeptieren müsse.
Des Weiteren stellten sich für Lübeck fünf gemeinsame Positionen
heraus:
1
Nur wenn sich alle Anrainer weiterhin so gut austauschen, werden auch
so gute Ergebnisse wie bisher erzielt werden. Nur so, so Rohwer, sei die
A20 entstanden. Und die Idee der festen Fehmarnbeltquerung. Nur so seien
EU-Gelder hierher gekommen.
2
Lübeck muss mit den anderen deutschen Ostseehäfen und mit Hamburg
noch besser kooperieren und überzeugende Konzepte entwickeln, damit
alle von den Chancen profitieren.
3
Die Infrastruktur muss schnell ausgebaut werden. Die Verzah-nung mit der
Bahn ist ein nicht zu überschätzender Wettbewerbsfaktor. Die
polnischen Gäste machten deutlich, dass Lübeck dann im Vergleich
mit Hamburg attraktiver werde.
4
Bildung, Know-How und Arbeit müssen in den Osten fließen. Nur
so kann erreicht werden, dass die Landschaften dort wirtschaftlich gedeihen.
5
Lübeck muss wirksames Standortmarketing betreiben. Dr. Kremer fasst
diese Perspektiven gut zusammen: "Lübeck ist schön, dafür
schlägt mein Herz, aber manchmal muss man einfach auch wirtschaftlich
denken."
Lübecker
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